Historie

Erinnerungen zur Geschichte der Familie Ströhla auf der Rauschenhammermühle

In dem vom Markgrafen Christian Ernst zu Bayreuth-Brandenburg am 21. Oktober 1661 unterzeichneten Lehensbrief steht, dass “Itzo Hanns Ströhla, Müller, den Hammer, der Rauschenhammer genannt, käuflich inne hat und besitzet.”

Damit hat die Geschichte der Ströhla auf der Rauschenhammermühle begonnen.

Im Norden des heutigen Bayerns, zwischen dem Fichtelgebirge und dem Thüringer Wald, liegt der Frankenwald mit seinem rauen Wind und seinen kräftigen Wäldern. Die höchste Erhebung, der Döbraberg, gebiert die Wilde Rodach. Etwa in der Mitte des schmalen Tales, das sich auf dem Weg zur Vereinigung mit der schwesterlichen Rodach durch das Schiefergebirge gegraben hat, liegt an ihr die Rauschenhammermühle.

Wann der Frankenwald oder der “Nortwald”, wie er in alter Zeit hieß, besiedelt worden ist, wissen wir nicht. Dort hatten schon die Kelten, die bis zur Völkerwanderung auch am oberen Main saßen, ihre Fliehburgen. Die eigentliche Besiedelung des Gebietes um die Wilde Rodach wird ab der Zeit nach Karl dem Großen bis zum 12. Jahrhundert vermutet. Damals entstehen im nordoberfränkischen Raum die Herrschaftsgebiete der Henneberger, der Walpoten, der von der Grün und ihrer Nebenlinien, den Radeckern, Wildensteinern und Reitzensteinern.

Erstmals erwähnt ist der “Hammer an der Wilden Rodach”, die spätere Rauschenhammermühle, in einer Urkunde des Bischofs von Bamberg vom 30. Mai 1372. Der Name “Hammer” erweist, dass dort Eisen verarbeitet worden ist.

Nach einer Urkunde vom 25. Dezember 1491 hatte der “Halbteil des gemaldten Hammers die erbliche Gerechtigkeit auf den bambergschen Wäldern als Bauholz, Brennholz, auch darauf zu kohlen, wie das alles von alters herkommen ist”. In mehreren Urkunden aus dem Jahr 1495 sind als Besitzer des Hammers die Gebrüder “Hans der Alt und Hans der Jung, die Rauschen” genannt, welche wohl der Rauschenhammermühle den Namen gegeben haben. In einer Urkunde vom 7. November 1542 heißt der “Hammer an der Wilden Rodach” erstmals der “Rauschenhammer”.

Die Zeit des Eisens war im Frankenwald vorbei. Der Rauschenhammer, wie ihn 1661 Hanns Ströhla erworben hat, bestand aus “einer Mühle im Grund an der Rodach liegend mit Wohnung, Acker, Wiesen, Schneidgang und zween Mahlgängen”.

Etwa 250 Jahre wird die Rauschenhammermühle in den Urkunden so beschrieben. Das Wasser der Wilden Rodach hatte sie so ermöglicht, so aber auch technisch begrenzt.

Die Familie hat sich schließlich für das Holz entschieden. Die Entwicklung der Säge hat deshalb einen hohen Stellenwert. Die Säge gehört zu den ganz alten Werkzeugen der Menschheit. In der Sagenwelt der alten Griechen war es Talos, der Sohn der Schwester des Baumeisters Daidalos, der neben der Töpferscheibe und anderen Werkzeugen auch die “Säge aus Eisen nach dem Vorbild der scharfen Kinnbacken einer Schlange” erfunden hat. Aus Eifersucht und Neid darüber soll ihn sein Oheim von der hohen Zinne gestoßen haben. Den Mord aber haben die Götter an Ikaros, des Daidalos Sohn, gesühnt, der seinen Flug zur Sonne mit den durch Wachs befestigten Flügeln mit dem Leben bezahlen hat müssen.

Der erste Ströhla-Müller Hanns starb 1709 mit 77 Jahren, 48 Jahre nach dem Erwerb der Rauschenhammermühle, und im gleichen Jahr, als die spätere Landesmutter von Bayreuth, Wilhelmine, in Potsdam als Schwester des nachmaligen Königs Friedrich II. geboren worden ist.

Der zweite Ströhla-Müller wird 1709 mit 44 Jahren Christoph Heinrich Ströhla. In seiner Zeit entstehen die großartigen Bauten am Main. Die Klosterkirche Banz und das Schloss der Grafen Schönborn in Pommersfelden, beide von Johann Dientzenhofer, das Kloster Ebrach von Balthasar Neumann und dessen Meisterleistungen: die Würzburger Residenz und die Kirche Vierzehnheiligen.

1745 folgt dem, mit 80 Jahren verstorbenen Christoph Heinrich Ströhla sein 27 Jahre alter Sohn Johann als der dritte Ströhla-Müller. Fünf Jahre später, 1750, im Todesjahr des Thomaskantors Johann Sebastian Bach und ein Jahr nach der Geburt des Dichterfürsten Goethe, stirbt Johann Ströhla “plötzlich, nachdem er unversehen in der Mühl vom Getriebe ergriffen und sein Leben so schmerzhaft geendet, welche unglückliche Stunde war am 31. Juli nachmittags 1/2 2 Uhr”.

Der vierte Ströhla-Müller, Andreas, zählt beim Tode seines Vaters noch keine sieben Jahre. Zwei Stiefväter, erst Johann Götz und ab 1764 Heinrich Salomon Klinger, führten mit seiner Mutter “Elisabetha, des Ratsverwandten und Forstbediensteten Johann Prellens in Bernstein und Räumlas jüngerer Tochter” die Mühle weiter, bis er sie als Müllermeister 1773 mit 30 Jahren übernimmt, “dergestalt und also, dass er dieselbe mit allen denen Rechten und Gerechtigkeiten wie es die vorherigen Besitzer gehabt haben, fernerhin nutzen und gebrauchen, auch dabei geschützt und über die gewöhnlichen Abgaben nicht beschwert werden soll”. So steht in dem Lehensbrief, den der hochfürstliche brandenburgische Grenadierhauptmann Friedrich Wilhelm von Reitzenstein ausgestellt hat.

1756 wurde Mozart geboren. Im gleichen Jahr hat der siebenjährige Krieg zwischen Preußen und Österreich begonnen. 1759 kommt Friedrich Schiller zur Welt. Im Geburtsjahr Napoleons 1769 erfindet James Watt mit 33 Jahren die Dampfmaschine und legt damit den Grund für das technische Zeitalter.

Als fünfter Ströhla-Müller folgt Johann Peter. Er hat das Zeitalter des Kaisers Napoleon erlebt. In seine Zeit fällt die Regierung des großen Förderers der Künste, des Bayernkönigs Ludwig I. Wenige Jahre vorher wurden die ersten Sägeblätter aus dem Stahl eines Friedrich Krupp in Essen hergestellt.

Johann Ströhla erwirbt 1846 als sechster Ströhla-Müller im Alter von 23 Jahren gegen 1700 Gulden die Rauschenhammermühle von seinem Vater. 1861 wird Wilhelm I. König von Preußen und ein Jahr darauf Bismarck preußischer Ministerpräsident. Vier Jahre später unterliegt Österreich den Preußen im Krieg um die Vorherrschaft in Deutschland. Einige Tage vor Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges stirbt Johann Ströhla 1870, nur 47 Jahre alt.

Fünfzehn Jahre lang führt seine Witwe, Margarethe Kunigunde, die Rauschenhammermühle, bis diese nach ihrem Tode 1885 Johann Martin Ströhla als siebter Ströhla im Alter von 25 Jahren übernimmt. Es ist die Zeit der Industrialisierung der großen Welt, worin Vermögen gemacht, wie verloren werden und worin ein banger Wohlstand erreicht wird, in dem die Leute sagen: “so könne es nicht mehr weiter gehen”. Es ist dann auch nicht mehr so weiter gegangen: am 2. August 1914 hat der 1. Weltkrieg begonnen.

Ein Jahr vorher war Johann Martin Ströhla mit 54 Jahren gestorben.

Heinrich Johann Ströhla nahm nun als achter Ströhla-Müller die Geschicke der Rauschenhammermühle in seine starken Hände, knapp 20 Jahre alt. Ihm ist es gelungen, die technischen Möglichkeiten seines technischen Zeitalters auszuschöpfen und die Rauschenhammermühle zu einem der großen Holzbetriebe Süddeutschlands auszubauen.

Am 5. März 1961 übernahm sein Sohn Heinrich mit knapp vierzig Jahren als neunter Ströhla die Rauschenhammermühle.

Vieles hat sich in der Welt, vor allem in jener der Technik, geändert: Elektronik und Computer ersetzen zunehmend die menschlichen Anstrengungen. Die Muskelkräfte, für die über Jahrtausende die äußerste Hilfe der Flaschenzug war, sind abgewandert auf die Sportplätze. Arbeitsunfälle bei der Arbeit sind vermeidbarer geworden. Das Leben im Sägewerk ist heute menschlicher.

Der Rundholzplatz wird mechanisiert, die Spaner-Kreissägen-Technologie wird eingeführt, fossile Brennstoffe werden gegen nachwachsende getauscht, Kultur zieht ein.

Neben dem Sägen steht die Weiterverarbeitung von Holz im Mittelpunkt. Trocknen und Hobeln, die Entwicklung der Hubertus-Hütte, Keilzinken und Flächenverleimen von einteiligen und mehrteiligen Hölzern, Service am Kunden – Nutzen bieten!

Seit 2000 ist Heinrich Thomas der zehnte Ströhla in der Rauschenhammermühle. Söhne sind geboren. Es soll weitergehen.

Jede Zeit hat ihre Herausforderung. Stellen wir uns der unseren.